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Dennoch, trotz der direkten Ausblendung, sind gerade die Kriegswirren in und um Dresden der unmittelbare "Hebel" (ein Terminus Hoffmanns), der das Märchen in Gang setzt. Mitten im chaotischen Dresden, unmittelbar nach der Schlacht bei Dresden, Napoleons letztem Sieg, steigt Hoffmann auf der "Himmelsleiter" des Märchens weit nach oben, die Angst während der verheerenden Kanonade auf die Stadt und das Grauen des von ihm selber besichtigten und detailliert beschriebenen Schlachtfelds und der Nervenfieber-Epidemie weit unter sich lassend ***.

"In keiner als in dieser düstern verhängnißvollen Zeit, wo man seine Existenz von Tage zu Tage fristet und ihrer froh wird, hat mich das Schreiben so angesprochen - es ist, als schlösse ich mir ein Reich auf, das [...] mich dem Drange des Äußern entrückte" - schreibt Hoffmann an Kunz am 19. Später, in den "Serapions-Brüdern", spricht er von dem "Entsetzlichen, was sich in der alltäglichen Welt begibt", von der „Grausamkeit der Menschen", dem „Elend, was große und kleine Tyrannen schonungslos mit dem teuflischen Hohn der Hölle schaffen" (Serapionsbrüder S. - Unmittelbar vor dem "Goldnen Topf", während der Kanonade, hat Hoffmann den Dialog "Der Dichter und der Komponist" geschrieben (Serapionsbrüder S.

Ulrich Stadler spricht in diesem Zusammenhang von der "Trauerarbeit" des Autors (Feldges / Stadler S.73). Er hofft, er verzweifelt, er ist beruhigt, erschrocken, voller Freude, voller Angst, er jubelt, er heult, alles in wenigen Momenten.

Der Ebene der bürgerlichen Welt steht in der Handlung des "Goldnen Topfs" - wie gesagt - die Ebene der Realität des Mythos direkt gegenüber. Hoffmann probiert die unterschiedlichen Haltungen aus, ohne sich mit ihnen zu identifizieren. Eigentlich ist es auch nur sein zartes Selbst, das er immer gefährdet glaubt, sonst könnte es gehen wie es wollte!

Ein adäquates Verständnis des "Goldnen Topfs" ist wohl nur möglich, wenn zweierlei genau beachtet wird: Nun ist die eine dieser beiden Realitäten, die des Alltags von 1813/14, auf sehr unterschiedliche Weise im Text präsent: Die Welt des deutschen Bürgertums zwischen Französischer Revolution und Wiener Kongress: seine Rationalität ohne politische Perspektive, seine öde Normalität, sein Gewinn- und Karrierestreben - all das macht den Boden der Handlung aus, auf dem die "Himmelsleiter" des Märchens sich erhebt. Befreiungskriege, Hoffmanns unmittelbare Konfrontation mit dem Phänomen "Napoleon" in den Tagen der Konzipierung des "Goldnen Topfs", seine ambivalente Faszination durch diesen "Dämon", wie er ihn in mehreren Texten nennt - diese sehr konkrete Realität scheint im "Goldnen Topf" völlig ausgeblendet zu sein (wenn man nicht die Gestalten und Ereignisse auf der mythischen Ebene auch allegorisch deutet).

Zwar soll der Leser die "Himmelsleiter" des Märchens, von der im Rahmendialog der "Serapionsbrüder" die Rede ist (Serapionsbrüder S.

599 f.), möglichst hoch hinauf klettern - aber genauso tief wird dann sein Fall sein, der ihn auf der letzten Seite des Märchens zusammen mit dem Erzähler plötzlich erwartet.

Vigilie), aber die beiden Bereiche sind andererseits auch unüberbrückbar getrennt. Der gleiche Mythos liegt den beiden Erzählungen zu Grunde, die kurz vor dem „Goldnen Topf" in Dresden entstanden sind und die zur vergleichenden Lektüre herangezogen werden können: In den beiden Erzählungen "Der Dichter und der Komponist" und "Der Magnetiseur"*** wird deutlich, wie der gleiche Mythos, den die Leser/-innen in der 3. Vigilie des „Goldnen Topfs" kennenlernen können, einmal vom nationalistischen Denken der Zeit (in "Der Dichter und der Komponist"), das andere Mal vom Prinzip des Willens zur Macht (in "Der Magnetiseur", Fantasie- und Nachtstücke S. Auszuhalten ist die Ambivalenz zweier sich widersprechender Empfindungen, der Faszination durch Napoleon als den Erben der Revolution, den salamandrischen Elementargeist, den "Weltgeist zu Pferde", wie Hegel sagt, und der völligen Ablehnung dieses Machtmenschen, der wie Salamander im "Goldnen Topf" alles verwüstet hinterlässt.

Hoffmanns Auffassung von der Welt der Phantasie/des Mythos ist geprägt durch seine (nicht unbedingt philosophisch reflektierte) Auseinandersetzung mit der romantischen Naturphilosopie, die er aus G. Schuberts "Ansichten von der Nachtseite der Naturwissenschaften" (1808) kannte und mit deren Basis-Mythos er sich wie viele andere Zeitgenossen identifizierte (vgl. Auszuhalten ist der Widerspruch zwischen der Sehnsucht nach Ruhe und Frieden durch die alten Mächte und dem Wissen, dass der Gegendämon zum phosphorisch-salamandrischen Prinzip - das ancien régime - nur eine alte Vettel ist.

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Auch Anselmus ist hier also ''Geist", der "aufs Wasser schaute", nicht in biblisch-göttlicher Erhabenheit, sondern in Jakob-Böhmescher ''Grimmigkeit'' und ''Qual'', aus deren ''Quellen" die ''Qualität'' alles Seienden erwächst. Das Märchen erzählt, wie Jochen Schmidt in seinem Nachwort zum Insel-TB ''Der Goldne Topf'' gezeigt hat (it 570 „'Der goldne Topf' als dichterische Entwicklungsgeschichte"), von der Entwicklung des Studenten Anselmus zum ''Leben in der Poesie'', aber darin ist es - was Jochen Schmidt nicht darstellt - Spiegelung eines Mythos und Spiegelung der Biographie des Autors.

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